DAUN, 28.07.2021 - 14:46 Uhr
Digitale Welt - Internet

Rekordinvestitionen & große Nachfrage beim Glasfaserausbau

BREKO-Marktanalyse 2021

Zusammen mit dem Telekommunikationsexperten und Wirtschaftswissenschaftler Prof. Dr. Jens Böcker stellte der Bundesverband Breitbandkommunikation (BREKO) die aktuelle Analyse zum Stand des Glasfaserausbaus in Deutschland vor. Bei allen wichtigen Eckdaten ist eine positive Entwicklung zu verzeichnen.

Prof. Dr. Jens Böcker, wissenschaftlicher Leiter und Autor der Studie sieht eine positive Entwicklung des Glasfaserausbaus, die sich in den nächsten Jahren fortsetzen wird: “Die BREKO Marktanalyse zeigt, dass die wichtigsten Kennzahlen des Glasfaserausbaus auf grün stehen: Die Nachfrage nach Internetanschlüssen mit hohen Bandbreiten ist signifikant gestiegen, die Geschäftsmodelle der Unternehmen funktionieren und Unternehmen und Investoren versorgen den Markt mit sehr viel Kapital. Vor fünf Jahren wurde darüber diskutiert, wie der Glasfaserausbau finanziert werden kann und welche Unternehmen ihn stemmen sollen. Groß angelegte staatliche Förderprogramme waren die Antwort. Die Notwendigkeit dieser Förderung hat sich durch die neue Situation relativiert. Das ist eine gute Basis, auf der das Glasfasernetz in Deutschland – mit fairen Bedingungen für alle Marktpartner – nun immer schneller ausgebaut werden kann.“

Datenverbrauch und Nachfrage nach hohen Bandbreiten steigen weiter an

Dass die Anforderungen an die Leistungsfähigkeit der digitalen Infrastruktur wachsen, zeigt der deutlich angestiegene Datenverbrauch. Um mehr als 40 Prozent erhöhte sich das durchschnittlich pro Anschluss und Monat übertragene Festnetz-Datenvolumen im vergangenen Jahr. Verbrauchte ein Haushalt im Jahr 2019 noch durchschnittlich 142 Gigabyte, waren es 2020 bereits 200 Gigabyte. Für das Jahr 2025 wird mit einem Anstieg auf 876 Gigabyte pro Anschluss gerechnet. Mobiles Internet ist trotz der Verbreitung von 5G kein Ersatz für einen Festnetz-Internetanschluss: Auch 2020 wurden knapp 99 Prozent aller Daten pro Anschluss über das Festnetz übertragen. 

Laut den Erhebungen der BREKO Marktanalyse wird sich die Bandbreitennachfrage in den nächsten fünf Jahren um das fünf- bis sechsfache erhöhen. Bei Privatkunden bedeutet das einen Anstieg auf 845 Mbit/s (Download) und 302 Mbit/s (Upload), bei Geschäftskunden liegt die nachgefragte Bandbreite 2026 demnach bei 1,5 Gbit/s (Download) und 922 Mbit/s (Upload). Treiber für Privatkunden sind IPTV und Streaming-Dienste, für Geschäftskunden die Umsetzung von Cloud-Architekturen. Diesen Trend spiegelt auch die weiter steigende Nachfrage nach hochbitratigen Anschlüssen wider. Bereits ein Drittel aller Kunden buchten 2020 Internetanschlüsse mit einer Datenrate über 100 Mbit/s. Mehr als eine Million Kunden entschieden sich bereits für Anschlüsse mit Datenraten von 1Gbit/s oder mehr.

Anstieg der Glasfaserquote beschleunigt sich, positive Ausbauprognose für die nächsten Jahre

Der Anteil der Glasfaseranschlüsse bis in die Gebäude und Wohnungen im Verhältnis zur Gesamtzahl aller Haushalte und Unternehmen („Glasfaserquote“) ist zu Ende 2020 auf 17,7 Prozent gestiegen. Das entspricht einem Zuwachs von 1,9 Millionen auf insgesamt 8,3 Millionen Glasfaseranschlüsse deutschlandweit. Damit hat sich die Dynamik im Vergleich zum Vorjahr nahezu verdoppelt. Den größten Teil dieser Anschlüsse realisieren mit 6,2 Millionen die alternativen Netzbetreiber, also die Wettbewerber der Deutschen Telekom.

Die Ausbaudynamik wird sich in den nächsten Jahren weiter verstärken: Für das kommende Jahr prognostiziert die BREKO Marktanalyse 2021 einen Anstieg auf knapp 11,5 Millionen Glasfaseranschlüsse – 7,9 Millionen davon durch alternative Netzbetreiber realisiert. Bis zum Jahr 2024 wird mit einem Anstieg auf 26 Millionen Anschlüsse gerechnet. Davon 16 Millionen Anschlüsse durch die Wettbewerber realisiert und 10 Millionen Anschlüsse die Deutsche Telekom. Die Zahl der gebuchten Glasfaseranschlüsse (“Take-up-Rate") im Verhältnis zu den verfügbaren Anschlüssen erhöhte sich trotz des deutlichen Zuwachses an neuen Glasfaseranschlüssen bei den im BREKO organisierten Netzbetreibern auf 43 Prozent. Zudem stieg die Kundennachfrage bei Glasfaseranschlüssen stärker als bei allen anderen Internetzugangstechnologien wie Kabel oder DSL. Bei Glasfaser lag das Wachstum bei den gebuchten Kundenanschlüssen bei 36 Prozent.

BREKO-Präsident Norbert Westfal freut sich über die Entwicklung des Marktes, sieht die Unternehmen aber auch in der Verantwortung, die Geschwindigkeit weiter zu erhöhen: „Im letzten Jahr habe ich gesagt, dass der Glasfaserausbau Fahrt aufgenommen hat. Heute kann ich sagen: Wir haben den Ausbau nochmals deutlich beschleunigt und werden den Fuß auch auf dem Gaspedal behalten. Deutschlands Wachstumsrate bei Glasfaser ist auch im europäischen Vergleich weit überdurchschnittlich. Hier liegen wir mittlerweile auf Platz drei. Auch wenn die Glasfaserquote doppelt so stark gestiegen ist wie im Vorjahr, werden wir uns darauf nicht ausruhen. Wir wollen und werden das Tempo weiter erhöhen. Das können wir aber nicht allein: Schleppende Genehmigungsverfahren sind ein Nadelöhr für den Glasfaserausbau, ihre Beschleunigung und Digitalisierung muss vor Ort konsequent umgesetzt werden. In der nächsten Legislatur müssen die Themen mit übergeordneter Bedeutung für die Digitalisierung, zu denen auch die digitale Infrastruktur gehört, in einem Digitalministerium gebündelt werden.“ Mit Blick auf die weiter steigende Nachfrage nach Glasfaseranschlüssen steht für den BREKO-Präsidenten fest: "Ganz wichtig ist für uns die stetig wachsende Nachfrage der Kunden: Dort wo Glasfaseranschlüsse verfügbar sind, werden diese auch immer stärker gebucht.“

Hohe Investitionsbereitschaft schafft Planungssicherheit für weiteren Glasfaserausbau

Die Investitionsbereitschaft der Unternehmen ist hoch, genauso wie die Marktdynamik – eine Reihe neuer Unternehmen und Investoren beteiligen sich am Glasfaserausbau. Die Investitionen in die digitale Infrastruktur sind im Jahr 2020 auf insgesamt 10,5 Milliarden Euro und damit auf Rekordniveau gestiegen. Hier dominieren ebenfalls die alternativen Netzbetreiber. Ihre Investitionen in Höhe von 5,9 Milliarden entsprechen 56 Prozent des gesamten Investitionsvolumens. Die Finanzierung des Glasfaserausbaus ist auch in den kommenden Jahren gesichert. Allein für die nächsten fünf Jahre stehen nach einer Prognose der BREKO Marktanalyse mindestens 43 Milliarden Euro für den eigenwirtschaftlichen Ausbau der Glasfasernetze in Deutschland zur Verfügung.

BREKO-Geschäftsführer Dr. Stephan Albers sieht einen Paradigmenwechsel beim Ausbau der digitalen Infrastruktur: “Der Glasfasermarkt hat sich so weit entwickelt, dass er inzwischen auf eigenen Füßen steht und immer mehr Bürger:innen und Unternehmen in Deutschland ein echter Glasfaseranschluss angeboten werden kann. Ein Großteil davon ist eigenwirtschaftlich erschließbar. Bezogen auf das „Geschäftsfeld Glasfaser“ hat sich der Telekommunikationsmarkt grundlegend verändert. Die Platzhirsche der Kupfer- und Kabelnetze haben viel zu lange auf die bestehenden Infrastrukturen der Vergangenheit gesetzt. Die „First Mover“, die Treiber des Glasfaserausbaus, sind ganz klar die alternativen Netzbetreiber, 80 Prozent davon BREKO-Unternehmen. Sie stemmen weit über die Hälfte des Glasfaserausbaus. Und sie sind auch die kreativen Gestalter des Ausbaus: Ob offener Netzzugang oder das Prinzip der Vorvermarktung – diese Instrumente und Ausbaubeschleuniger entstammen den Ideen dieser Unternehmen. Sie haben sich auch von Anfang an für moderne Verlegemethoden stark gemacht.“

Wichtig für den weiteren Ausbaufortschritt sei es nun, die Weichen, die durch das neue Telekommunikationsgesetz gestellt werden, zu nutzen. Dazu richtet Albers mit Blick auf die anstehende Bundestagswahl einen Appell an die Politik: „Wichtig ist, dass die Politik realistische und realisierbare Ausbauziele formuliert. Die Unternehmen scheuen sich nicht, sich an den Zielen der Politik messen zu lassen, diese müssen aber gemeinsam mit der Telekommunikationsbranche entwickelt und umgesetzt werden. Eine langfristige Ausbauperspektive ist auch ein wichtiges Signal an die Baubranche, damit diese sich in deutlich stärkerem Maße im Glasfaserausbau engagiert und ihre Investitionen in die dafür notwendigen Ressourcen erhöht. Die nächste Bundesregierung muss bei der Weiterentwicklung des ‚Graue-Flecken-Förderprogramms‘ unbedingt eine Priorisierung einführen und die eingesetzten Steuermittel zielrichtet für diejenigen unterversorgten Gebiete einsetzen, die wirtschaftlich nicht ausbaubar sind. Auf Basis der hohen Investitionsbereitschaft der Unternehmen in den eigenwirtschaftlichen Ausbau ist das möglich und gleichzeitig notwendig, um die bestehende Dynamik nicht zu bremsen.”


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