- © Foto: ClearSpace SA -
DAUN, 26.11.2020 - 10:52 Uhr
Technik - Satellit

ESA: Schweizer Startup erhält Auftrag zur Entfernung von Weltraummüll

Die Europäische Weltraumagentur ESA kündigt die Vertragsunterzeichnung einer 86 Millionen Euro schweren Mission mit dem Schweizer Startup ClearSpace SA an, mit dem Ziel, weltweit zum ersten Mal ein Stück Weltraumschrott aus der Erdumlaufbahn zu entfernen.

Wie die ESA am 26. November bekannt gab, bewilligten die Minister der Weltraumagentur auf der ESA-Ministerratskonferenz Space19+ die Finanzierung eines Dienstleistungsvertrags mit einem kommerziellen Anbieter zur sicheren Entfernung eines inaktiven Objekts aus der niedrigen Erdumlaufbahn. Am Ende eines kompetitiven Auswahlprozesses wurde ein Industrieteam unter Leitung von ClearSpace SA – einem Spin-Off- Unternehmen der Ecole Polytechnique Fédérale de Lausanne (EPFL) – beauftragt, das endgültige Angebot vorzulegen.

Das Schweizer Startup werde im Jahr 2025 diese erste aktive Mission zur Entfernung von Weltraummüll, ClearSpace-1, starten, hieß es weiter. Sie soll einen Vespa-Nutzlast-Adapter auffinden, erfassen und zum Wiedereintritt bringen.

Meilenstein für Etablierung eines neuen kommerziellen Sektors im Weltraum

Die Vertragsunterzeichnung sei nun ein wichtiger Meilenstein für die Etablierung eines neuen kommerziellen Sektors im Weltraum. Der Einkauf der Mission mit einem End-to-End-Dienstleistungsvertrag anstelle der Entwicklung eines von der ESA definierten Raumfahrzeugs für den Betrieb innerhalb der ESA, stellt für die Weltraumorganisation eine neue Art der Geschäftstätigkeit dar. Die ESA finanziert einen Teil der Mission und bringt im Rahmen des Projekts zur aktiven Entfernung von Weltraummüll / In-Orbit-Wartung (ADRIOS) des ESA-Programms für Weltraumsicherheit wichtige Kompetenzen ein. ClearSpace SA wird den Rest der Missionskosten über Investoren finanzieren.

Die Größe des Vespa-Zielobjekts entspricht in etwa der eines kleinen Satelliten

Ziel der ClearSpace-1-Mission ist die Vespa (Vega Secondary Payload Adapter). Dieses Objekt wurde nach dem zweiten Vega-Flug im Jahr 2013 in einem etwa 801 km bis 664 km hohen Orbit zur schrittweisen Entsorgung und unter Einhaltung der Vorschriften zur Reduzierung von Weltraummüll zurückgelassen. Mit einer Masse von 112 kg ist das Vespa-Zielobjekt in etwa so groß wie ein Kleinsatellit.

Nach fast 60 Jahren Raumfahrt haben mehr als 5.550 Starts rund 42.000 verfolgte Objekte im Orbit zurückgelassen, von denen etwa 23.000 im Weltraum verbleiben und regelmäßig beobachtet werden. Mit den heute durchschnittlichen 100 Starts pro Jahr und den weiterhin mit einer durchschnittlichen Rate von vier bis fünf pro Jahr auftretenden Vorfällen, bei denen Trümmer entstehen - wie Explosionen oder Kollisionen von Satelliten - wird die Anzahl der Trümmerobjekte im Weltraum kontinuierlich zunehmen. ClearSpace-1 wird die technischen und kommerziellen Fähigkeiten aufzeigen, um die Nachhaltigkeit der Raumfahrt langfristig zu verbessern. Unterstützt wird die Mission im Rahmen des ESA-Programms für Weltraumsicherheit. Sitz des Programms ist das Satellitenkontrollzentrum der ESA (ESOC) in Darmstadt.

Beteiligung der europäischen Industrie an ClearSpace-1

Bildrechte: © ESA Unternehmen aus einer Vielzahl europäischer Länder sind an der ClearSpace-1-Mission beteiligt. Die Leitung des Industrieteams liegt bei ClearSpace SA, weitere Beiträge kommen von Unternehmen aus der Schweiz, der Tschechischen Republik, Deutschland, Schweden, Polen, dem Vereinigten Königreich, Portugal und Rumänien.

InfoDigital Lesetipp: Weltweit einzigartiges Radar in Koblenz startklar - Erstes deutsches Weltraumradar soll Unfälle von Satelliten verhindern

GESTRA-Empfangsantenne; Bildrechte: © Jens Fiege | Fraunhofer FHR Im Weltraum ist immer mehr los. Tausende Satelliten, Raumfahrzeuge und andere Objekte ziehen zwischen 300 und 3000 Kilometern Höhe im Orbit ihre Bahnen. Durch Rückstände von Raketen und ausrangierte Satellitenteile nimmt der Weltraummüll immer mehr zu und birgt eine Kollisionsgefahr für funktionierende Satelliten im All. Das erste in Deutschland gebaute Weltraumüberwachungsradar soll davor warnen. Nach fünfjähriger Entwicklungs- und Bauphase wurde das erste deutsche Weltraumradar jetzt auf der Schmidtenhöhe bei Koblenz eingeweiht.

Lesen Sie mehr dazu in der InfoDigital 12/2020 (Nr. 393), die ab Freitag, 27. November 2020 als Einzelheft, im Abo oder als E-Paper sowie für iPad erhältlich ist.

 


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